Tierhilfe Bulgarien e.V.

Verein zur Rettung notleidender Tiere in der Stadt Varna und Umgebung

Geschichten um unsere geliebten Tiere


"Tiger" alias "Goran"!

Obwohl ich ich erst 4 Monate alt bin, war das Leben schon sehr grausam zu mir.
Da wollte ich nur ein wenig durch meine Gegend streifen und hier und da mal schauen, ob ich etwas zu futtern finde, als plötzlich, wie aus dem Nichts, ein Riese auf vier Gummifüßen vor mir auftauchte. Es ging blitzschnell: Es rannte auf mich zu, packte mich und zerquetschte mir beide Hinterbeine. Jetzt fing mein Alptraum an. Ich irrte völlig orientierungslos herum. Ich konnte nicht mehr laufen und zog meinen kleinen Körper nur mit den Vorderbeinen. Ich schleppte mich in Richtung einer mir bekannten Stelle, wo liebe Zweibeiner mit Herz für obdachlose Tiere ab und zu Futter spendierten.

Nach vier Tagen zog ich mich mit letzter Kraft unter eine Blechbestie, die zu schlafen schien. Ich hatte furchtbare Angst. Meine beiden verletzten Hinterbeine spürte ich schon seit einiger Zeit nicht mehr. Ich wusste nicht, ob das ein gutes oder ein schlechtes Zeichen war. Ich biss die Zähne zusammen und fauchte vorbeigehende Zweibeiner so laut ich konnte an. Viele haben mich bemerkt und angeschaut und obwohl ich so laut ich konnte um Hilfe schrie, gingen sie einfach weiter!?
Auf einmal näherten sich mir zwei Gestalten mit einem Karton.

Ich habe nicht mehr alles mitbekommen, aber plötzlich saß ich in der Kiste und wurde mit einer Blechbestie weggebracht. Kurz darauf hob man mich auf einen Metalltisch und ein dritter Zweibeiner schaute sich meine Verletzungen an. Nach einem kleinen Pieks, die nennen das hier Spritze, bin ich erst wieder in meinem Krankenzimmer aufgewacht. Ja, ja ... das ist die Geschichte meiner Rettung!!!

Jetzt bin ich schon seit vier Tagen hier. Nachdem ich geröntgt wurde, haben die mich gleich am zweiten Tag operiert, da meine Hüfte gebrochen war. Meine Hinterbeine sind bandagiert und die Entzündungen klingen, Dank Medikamente, langsam ab. Einmal muss ich aber mindestens noch operiert werden, weil die offenen Brüche nicht von alleine heilen. Ich beiße aber die Zühne zusammen und bin tapfer. Sobald ich gesund bin, hoffe ich auf ein richtiges Zuhause mit Zweibeinern, die mich gern haben.

Ich will nicht mehr auf der Straße leben müssen!

Liebe Miau-Grüße von Eurem Kater Tiger!

P.S. In der Aufregung hat Tiger nicht alles mitbekommen, insbesondere nicht den Namen von Dr. Dragnev, der ihn sofort behandelt hat. Nach Einschätzung des Arztes fand der Unfall, welcher dem armen Kerl beide Hinterbeine gebrochen hat (offene Brüche), schon vor 3 bis 4 Tagen statt. Die Fotos nach der OP wurden uns übrigens von unseren Bekannten, Gundy Porthmann und Bernhard Pawlik, geschickt, welche sich nach unserer Abreise um den kleinen Kater kümmern!

Liebe Grüße
Elena Reichert und Marco Benz

 

Mimi

Hallo, ich bin Mimi.

Ich wurde ca. Mai 2007 in einem kleinen Ort bei Varna in Bulgarien geboren. Über meine ersten Lebenswochen weiß man nichts. Im Sommer des gleichen Jahres lag ich schwerverletzt und blutüberströmt am Straßenrand. Autounfall? Misshandlung? Ich sah mehr tot als lebendig aus. Daniela, eine ganz engagierte Tierfreundin, hat mich gefunden und mit mir um mein Leben gekämpft. Das war mein Wunder Nr. 1!

Daniela brachte mich in eine Tierklinik, wo aber leider nicht gut gearbeitet wurde. Meine schwere Kieferfraktur (der Unterkiefer war fast abgerissen) wurde schlecht operiert. Seit diesem Tag habe ich eine Maulsperre, mein Mäulchen ist konstant einen halben Finger breit offen. Daniela und ihre Tochter Desi pflegten mich ganz toll.

Dann passierte Wunder Nr. 2: Die Tierhilfe Bulgarien fand Flugpaten, die mich mit nach Deutschland brachten. Die Familie Bissen hat schon ganz vielen armen Tieren wie mir so geholfen! In Deutschland war ein Pflegeplätzchen für mich reserviert beim Katzenschutzverein in Siegen, wo man ein großes Herz hat für solche armen Würmchen wie mich! Die deutschen Tierärzte, zu denen ich danach kam, rieten davon ab, weitere Eingriffe am Kiefer vorzunehmen. Er hätte erneut gebrochen werden müssen, weil schon vieles falsch verwachsen war und es mehr Risiken gab als Erfolgsaussichten. Ich habe mich sehr gut darauf eingestellt nur mit der Zunge mein Futter aufzulecken, und alle verletzten Zähne wurden entfernt.

Ich lebe seit Oktober 2007 bei einer Familie in der Nähe von Düsseldorf zusammen mit 4 anderen Katzen in einem großen Haus. Obwohl ich die Jüngste bin, gebe ich ganz schön den Ton an! Mir klaut keiner das Futter unter der Pfote weg! Von meiner Behinderung merkt man nur noch wenig. Wenn ich entspannt bin, hängt meine Zunge aus dem Mäulchen und manchmal tropft etwas Speichel heraus. Aber dafür gibt es ja Fliesen und "Dienstpersonal"! Beim Fressen brauche ich viel Zeit, bin eben die Erste und Letzte am Napf! Ich bin so eine liebe Schmusemaus und habe mich so gut entwickelt, dass meine Menschen um nichts in der Welt mich mehr hergeben möchten. Ich brauche auch keine Medikamente, allerdings haben wir einen Tubus aus der Säuglingschirurgie zuhause für den Fall, dass ich mal eine Notfall-Narkose benötige, die ist nicht so einfach durchzuführen bei mir, aber ein guter Tierarzt kann das! Und da ich eine reine Hauskatze bin, fliegen mir auch keine doofen Insekten ins offene Mäulchen (wir haben nämlich Fliegengitter vor den Fenstern).

Ich habe es toll angetroffen und bin den Menschen sehr dankbar, die mir geholfen haben und mir mein Leben noch einmal schenkten.
Hier ein paar Fotos von mir:

Liebe Grüße
Eure Mimi (3 ½ Jahre)

 

Bendji

Bendji kommt aus der Stadt Burgas. Anfangs wurde er von einem Jungen versorgt, bis der Vater den Hund nicht mehr duldete. In Bulgarien werden Haustiere dann ausgesetzt oder mit Schlägen weggejagt. Da erfuhren wir von seinem Schicksal und gaben die Suche in Auftrag. Er irrte einige Zeit in der Gegend umher, bis er schließlich gefunden wurde: schmutzig und hungrig, wurde dann nach Varna gebracht, da sich Dave Smith bereit erklärt hatte, ihn mit nach Deutschland zu nehmen, wo er in einem Tierheim untergebracht und von dort aus vermittelt werden konnte.


Vasko - gerettet durch die Hilfe engagierter Tierfreunde

Herr Weiß aus München war in Goldstrand auf Urlaub und traf den Hund immer zur gleichen Uhrzeit, wartend auf ein Herrchen, das nie wiederkam. Er war sehr heruntergekommen und das Fell hing extrem lang und in Fetzen. Mit großem Einsatz und durch mit Hilfe verschiedener Tierfreunde gelang es Herrn Weiß schließlich, ihn nach Deutschland zu überführen und ihn in eine neue Heimat zu vermitteln. Hier sein ausführlicher Bericht:




Felix, der Glückliche

Varna. Auf der Straße unterwegs zum Futterplatz sah ich an der Hauswand gegenüber etwas entlanghumpeln. Ich traute meinen Augen nicht. es war eine Katze, ein hinteres Bein hinter sich herziehend, erbärmlich.

Mit dem Kater zum Tierarzt. Dieser erklärte mir, das Bein wäre abgestorben und müsste amputiert werden. Nun, ich bin Laie... Nach der OP stellte ich mit Entsetzen fest, dass wie mit einem Beil das Beinchen abgehackt worden war.

Ich flog nach Deutschland. Der deutsche Tierarzt war erschüttert und hat kostenlos eine neue OP übernommen. Der Kater hat sehr gelitten. In Bulgarien wurde die Wunde nicht zugenäht, rohes Fleisch vereiterte und es musste noch ein Stück Bein mehr amputiert werden. Er hat das geschafft. Eine unvergessliche Begegnung!




Rosa, jetzt "Frenzy"

Das ist die Geschichte von "Rosa", die jetzt "Frenzy" gerufen wird. Die aparte Hündin mit dem freundlichen Wesen war mir schon bei früheren Aufenthalten in St. Konstantin aufgefallen. Sie war schon immer sehr dünn, verursacht durch viele Schwangerschaften und das kräftezährende Säugen der Jungen. Rosa begegnete mir immer auf den Straßen oder in den Parkanlagen oder sie bettelte vor den Hotels um Futter.

Zu meinem Erstaunen hatte sie aber einen Besitzer. Als ich ihn fragte, ob die Hündin für ihn kostenfrei kastriert werden dürfe, wurde er richtig böse. Er spekulierte damit, die Dalmatiner Dame würde reinrassige Kinder bekommen, die wollte er verkaufen. Im vorigen Oktober, die Hündin war klapperdürr, fünf herrenlose Junghunde vermehrten die Schar der Straßentiere, da in einem beherzten Augenblick nahm ich Rosa an die Leine, und tierliebe Menschen brachten sie nach Deutschland.

Beim ersten Tierarztbesuch stellte sich heraus: Rosa litt an Atemnot und das Zwerchfell war gerissen. Notoperation! Die 15(!) Welpchen waren schon tot, alle Organe von Rosa verschoben, wahrscheinlich durch einen noch in Bulgarien erlittenen Autounfall. Die Hündin konnte gerettet werden und durfte in ihr neues Zuhause zurück. Glück gehabt, Rosa!


 

Die Geschichte von Bonnie (vorher Ana)

Im Sommer 2005 entdeckte ich per Zufall die Anzeige des TSV Seligenstadt im Internet. Ein kleines dreifarbiges Wesen lag auf dem Boden und schaute angstvoll mit gro§en Augen in die Kamera... Es war "Liebe auf den ersten Blick"....

Ana kam am 10. August 2005 zu uns. Sie war total verschüchtert, ihr Gesicht war sehr zerkratzt, und sie verschwand aus lauter Angst unter dem Sofa im Arbeitszimmer. In den darauf folgenden Tagen haben wir sie nicht gesehen, da Ana (die mittlerweile zu Bonnie umgetauft wurde) nur in der Nacht zum Fressplatz + Katzenklo kam....
Und das ging ganze drei (!) Monate so weiter !!
Während dessen habe ich immer wieder versucht, sie unter dem Sofa hervorzulocken. Jeden Tag lag ich auf dem Teppich und hab mit ihr geredet, oder einfach mal nur laut aus einem Buch vorgelesen, damit sie sich an meine Stimme gewöhnt. Natürlich gab es auch hin und wieder Leckerlis, die ihr die Angst vor meiner Hand nehmen sollten... Das klappte so weit ganz gut, sie ließ sich auch gerne kraulen, aber sie kam und kam nicht raus...

Im Januar war es dann soweit, der erste Tierarzt-Besuch (Impfungen) stand an, und ich musste sie zwangsweise aus ihrem Versteck herausholen. Die Angst konnte man ihr deutlich ansehen!
Als wir vom Tierarzt zurück kamen, befürchtete ich das Schlimmste - dass sie für die nächsten 3 Monate wieder unter der Couch verschwindet ... Ich öffnete die Transportbox und erwartete eine "Staubwolke", sprich eine schnell flüchtende Bonnie.

Aber das geschah nicht.

Bonnie kam gaaaaaaaaaaanz langsam aus der Box hervor, lief sehr lange und gründlich hoch erhobenen Hauptes durch die Wohnung, und inspizierte ihr Reich. Ich kann es mir nicht wirklich erklären, aber es war, als ob dieses "ich bin wieder da, wo ich vorher schon gewesen bin" so eine Art Schlüsselerlebnis für sie war - jedenfalls war sie danach wie ausgewechselt.....
In den darauf folgenden Tagen und Wochen fasste sie immer mehr Vertrauen. Sie folgte mir auf Schritt und Tritt, kam auf Zuruf und wurde immer verschmuster...
Nun sind schon ein paar Jahre vergangen und Bonnie ist eine ganz liebe, brave und dankbare Katze. Sie hat uns nie Probleme gemacht und genießt ihr Leben. Dazu gehören ausführliche Sonnenbäder und Putzstunden, spielen mit dem Laserpointer oder einer Fellmaus. Sie liebt es, sich bürsten zu lassen und belohnt uns dafür mit lauten Schnurren in den unterschiedlichsten Tönen. Wenn sie schmusen will, kommt sie und fordert das unnachgiebig mit Kopfstupsen ein... Sie macht "Männchen" für ein Stückchen Ziegenkäse und liebt Hühnchenfleisch.

Seit dem Frühjahr 2006 ist Bonnie nicht mehr alleine. Trotz anfänglicher Bedenken wollten wir ihr einen Artgenossen zur Seite geben. So kam Kater Clyde (ein Straßenkater aus Spanien) zu uns und hat im Sturm ihr Herz erobert.
Die Beiden teilen sehr harmonisch ihr Revier und gehen sehr fürsorglich miteinander um. Es wird (besonders im Winter) gemeinsam gekuschelt, sich gegenseitig geputzt und miteinander gespielt. Im Sommer lieben es beide, den Tag auf dem (vernetzten) Balkon zu verbringen, dort in einem Karton voll Stroh zu düsen, Fliegen zu jagen oder die Gegend zu beobachten....

Besser kann man es sich für die zwei Fellnasen fast nicht wünschen, und wir hoffen, dass unser "Gangsterpärchen" Bonnie & Clyde noch ein schönes langes Katzenleben haben werden!

Herzliche Grüße! Eva & Joschi Kleber






Wiedersehen mit Argos

(Als Odysseus zwanzig Jahre nach der Zerstörung Trojas in seine Heimat zurückkehrt,
erkennt ihn dort niemand wieder außer sein inzwischen altersschwach gewordener Hund Argos.)

Hier lag Argos der Hund, von Ungeziefer zerfressen.
Dieser, da er nun endlich den nahen Odysseus erkannte,
Wedelte zwar mit dem Schwanz, und senkte die Ohren herunter;
Aber er war zu schwach, sich seinem Herren zu nähern.
Und Odysseus sah es, und trocknete heimlich die Träne,
Unbemerkt von Eumäos, und fragete seinen Begleiter:

Wunderbar ist es, Eumäos, daß dieser Hund auf dem Miste
Liegt! Sein Körper ist schön von Bildung; aber ich weiß nicht,
Ob er mit dieser Gestalt auch schnell im Laufe gewesen,
Oder so, wie die Hund' um der Reichen Tische gewöhnlich
Sind; denn solche Herren erziehn sie bloß zum Vergnügen.

Ihm antwortetest du, Eumäos, Hüter der Schweine:
Freilich! denn dies ist der Hund des ferne gestorbenen Mannes.
Wär' er derselbige noch an Gestalt und mutigen Taten.
Als wie Odysseus ihn, gen Troja schiffend, zurückließ.
Sicherlich würdest du jetzo die Kraft und die Schnelle bewundern!
Trieb er ein Wildbret auf im dichtverwachsenen Waldtal,
Nimmer entfloh es ihm; denn er war auch ein weidlicher Spürhund.

Aber nun liegt er im Elend hier; denn fern von der Heimat
Starb sein Herr, und die Weiber, die faulen, versäumen ihn gänzlich.
Das ist die Art der Bedienten: Sobald ihr Herr sie nicht antreibt,
Werden sie träge zum Guten, und gehn nicht gern an die Arbeit.
Zeus' allwaltender Rat nimmt schon die Hälfte der Tugend
Einem Manne, sobald er die heilige Freiheit verlieret.

Also sprach er, und ging in die schöngebauete Wohnung,
Eilte dann grad' in den Saal zu den übermütigen Freiern.
Aber Argos umhüllte der schwarze Schatten des Todes,
Da er im zwanzigsten Jahr Odysseus wieder gesehen.

     (Homer: Odyssee, 17. Gesang, 300-327, in der Übersetzung von J.H. Voß)

 

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